Bibliotheken verleihen schon seit Langem mehr als nur Bücher. Bereits 1894 konnten Menschen in St. Louis Tennisschläger und Brettspiele ausleihen. In Newark gab es ab 1904 sogar gerahmte Bilder zum Mitnehmen. In Deutschland existieren Ludotheken – also Spielzeug-Leihstellen – seit den 1970er Jahren, und in Artotheken konnten Menschen Kunstwerke ausleihen. Die Idee war einfach: Warum sollte man sich nur Bücher leihen können?
Ihr plant Arbeiten am Haus? Kein Problem – wir haben Elektrowerkzeug: Bohrmaschine, Kreissäge und Stichsäge. Für draußen gibt es Gartengeräte, Schaufeln und einen Besen. Außerdem haben wir ein Verlängerungskabel und eine Powerstation für unterwegs. Und weil wir Teil dieser Bewegung sind, haben wir natürlich immer eine Pumpe für platte Reifen parat. Müsst ihr durch die Stadt oder Einkäufe transportieren? Leiht euch einfach eines unserer Stadträder – mit praktischem Korb.
Ihr wollt raus und Spaß haben? Holt euch den Basketball oder das Tischtennis-Set. Oder nehmt den mobilen Lautsprecher und ein paar Stühle mit in die Sonne. Lieber einen gemütlichen Abend? Wir haben Bücher, einen Beamer für einen Kinoabend im Freien und WLAN, wenn ihr eine stabile Verbindung braucht.
Wir erweitern unser Angebot laufend – schaut also regelmäßig vorbei! Unser Inventar verwalten wir über Pumpipumpe. Dort seht ihr, was gerade verfügbar ist. Meldet euch einfach, wenn ihr etwas braucht. Wir freuen uns, euch zu sehen!
Wie alles begann – in den USA
Die erste bekannte Werkzeug-Leihbibliothek der USA öffnete 1943 in Grosse Pointe, Michigan. Rund 25 Werkzeuge, gespendet von einem lokalen Rotary Club, bildeten den Anfang – mit dem Ziel, jungen Menschen handwerkliche Fähigkeiten zu vermitteln. Bis Mitte der 1970er Jahre blieb sie die einzige ihrer Art. 1976 folgte Columbus, Ohio, wo die Stadtverwaltung Bewohnerinnen und Bewohnern kostenlos Werkzeug zur Verfügung stellte.
Lange galt die Berkeley Tool Lending Library in Kalifornien als Gründerin der Bewegung. Sie öffnete 1979 – in einem Anhänger, mit einer einzigen Mitarbeiterin und 500 Werkzeugen. Neuere Forschungen zeigen jedoch, dass Grosse Pointe früher war. Ende der 1970er Jahre gab es zwar einige Dutzend solcher Stellen, doch viele schlossen wieder – weil sie schwer zu verwalten waren und billige Produkte im Handel leicht zu haben waren.
Die deutsche Bewegung
In Deutschland war der Wendepunkt die Gründung von Leila – kurz für Leihladen – im Jahr 2010 in Berlin-Prenzlauer Berg. Bis 2012 hatte das Projekt eine klare Struktur: Wer mitmacht, bringt etwas mit, leiht sich etwas aus und gibt es sauber zurück. Jeder Gegenstand hat eine Nummer, genau wie in einer Bibliothek. Das Motto: Nutzen statt besitzen, wiederverwenden statt wegwerfen, teilen statt trennen. Leila wurde drei Jahre in Folge mit dem Nachhaltigkeitslabel Werkstatt N ausgezeichnet.
Forschende bezeichnen diese Entwicklung – dass Bibliotheken neben Büchern auch Alltagsgegenstände verleihen – als die größte Veränderung in der Geschichte der Bibliotheken. Von Berlin aus breitete sich die Idee auf 15 Standorte in 8 europäischen Ländern aus, darunter Leipzig und Heidelberg.
Ein weltweiter Aufschwung
Mitte der 2000er Jahre gab es in den USA kaum noch aktive Werkzeug-Leihstellen. Dann kamen zwei Dinge zusammen: die Finanzkrise 2008/2009, die viele Menschen in Geldnot brachte, und günstigere Software, die die Verwaltung solcher Angebote viel einfacher machte. In Sacramento und Chicago entstanden neue Einrichtungen. Zwischen 2013 und 2015 wuchs die Zahl der Werkzeug-Leihbibliotheken in den USA von rund 40 auf über 60.
Mehr als nur Werkzeug
Heute umfasst das Konzept weit mehr: Küchengeräte, Gartenutensilien, Elektronik, Spielzeug, Kunstgegenstände, Musikinstrumente, Sportausrüstung und vieles mehr. Den Begriff „Library of Things” machte 2014 ein Projekt in London bekannt; in den USA kam eine Bibliothekarin in Sacramento 2013 unabhängig davon auf dieselbe Idee. Forschende sind sich einig: Solche Angebote können Ressourcen schonen, ohne dass wir auf Komfort verzichten müssen. In Deutschland zeigen Studien, dass die häufigsten Gründe zur Teilnahme Kostenersparnis, Bequemlichkeit und der Kontakt zu anderen Menschen sind.
Die Logik dahinter ist einfach: Das Bibliotheksmodell – kostenloser, gemeinsamer Zugang zu Dingen – muss nicht bei Büchern aufhören. Es kann auf alles ausgeweitet werden, was wir brauchen.
