Warum es das gibt
Es mangelt nicht an Ideen, wie sich das Bauwesen verändern sollte. Es mangelt akut an Orten, an denen diese Ideen an der physischen Wirklichkeit getestet werden – wo ein Prototyp auf einen Bauprüfer trifft, wo ein recycelter Balken belastet wird, wo ein Genehmigungsweg nicht theoretisiert, sondern tatsächlich beschritten wird. Das Haus der Wissenschaften existiert, um dieser Ort zu sein: kein Gremium, das Empfehlungen produziert, sondern eine aktive Baustelle, die Evidenz produziert.
Das Gebäude ist in diesem Sinne bewusst unfertig – und es soll es bleiben. Als Jürgen Habermas in seiner Dankesrede zur Verleihung des Adorno-Preises 1980 dafür plädierte, die Moderne als „unvollendetes Projekt” zu verstehen, verteidigte er die Idee, dass offene Prozesse kein Mangel an Vollendung sind, sondern eine Bedingung echter Erkenntnis (Habermas, 1980). Dieselbe Logik gilt hier. Eine Institution, die nur fertige, fotografierbare Ergebnisse präsentiert, hat bereits entschieden, was sie weiß. Diese hier hat das noch nicht.
Die dahinterstehende Ambition ist einfach zu formulieren und schwer umzusetzen. Die Baukosten in Deutschland sind heute, inflationsbereinigt, etwa doppelt so hoch wie 1985. Die Methoden, die nötig wären, um diese Entwicklung umzukehren – kreislauforientierte Beschaffung, modulare Montage, softwaregestützte Genehmigungsnavigation, präzisionsgefertigte Materialsysteme – sind bekannt. Was fehlt, ist ein Ort, an dem sie umgesetzt, dokumentiert und für Praktiker, Forscher und politische Entscheidungsträger zugänglich gemacht werden, die Beweise brauchen, keine Argumente. Diesen Ort bauen wir – eine dokumentierte Entscheidung nach der anderen.
Quellen
Guiding Architects (2012). Ansgar Halbfas et al. auf der Jahreshauptversammlung des Netzwerks von Architekten, Historikern und Autoren.
Habermas, J. (1980). Die Moderne – ein unvollendetes Projekt. Rede aus Anlass der Verleihung des Adorno-Preises. In: Habermas, J. (1990). Die Moderne – ein unvollendetes Projekt. Philosophisch-politische Aufsätze 1977–1990. Leipzig: Reclam.

Tausch dich auf einer Konferenz mit Ansgar aus oder informier dich im Haus der Wissenschaften über Kooperationsmöglichkeiten. Im dortigen Baulabor kannst du direkt mit anpacken und einen wertvollen Beitrag zur Forschung leisten.