Teilen statt Besitzen: Eine Geschichte der Leihladen-Bewegung – und was das Haus der Wissenschaften damit zu tun hat

Die Geschichte des Verleihens von Nicht-Buch-Objekten in öffentlichen Einrichtungen ist älter, als die moderne Bibliothek der Dinge-Bewegung vermuten lässt. Schon 1894 konnten Bibliotheksnutzer*innen in St. Louis, Missouri, Tennisschläger und Brettspiele ausleihen; in Newark, New Jersey, wurden bereits 1904 gerahmte Gebälde zur Ausleihe angeboten (Ewing & Sapon-White, 2016). In Deutschland entwickelte sich eine parallele Tradition durch die Ludotheken – Spielzeug-Leiheinrichtungen, die seit den 1970er Jahren bekannt sind – sowie durch die Artotheken, in denen Kunstwerke entliehen werden konnten (Stengel & Ameli, 2017). Diese Einrichtungen verankerten in der deutschen Kulturlandschaft die Idee, dass öffentlich zugängliches Verleihen nicht auf Bücher beschränkt sein muss, und legten damit ein konzeptionelles Fundament, auf dem die spätere Werkzeug- und Objekt-Leihe aufbauen konnte.

Falls ihr Verschönerungen am Haus plant, seid ihr bei uns mit einer soliden Auswahl an Elektrowerkzeugen bestens versorgt, darunter eine Bohrmaschine, eine Kreissäge und eine Stichsäge. Für Aufgaben im Freien könnt ihr unsere GartengeräteSchaufeln oder einen Besen ausleihen, um alles ordentlich zu halten. Zudem haben wir ein Verlängerungskabel oder sogar eine Powerstation, falls ihr unterwegs Strom braucht. Da wir Teil dieser Bewegung sind, steht natürlich auch immer eine Pumpe für eure platten Reifen bereit. Und wenn ihr mal quer durch die Stadt müsst oder ein paar Einkaufstüten zu transportieren habt, könnt ihr euch sogar eines unserer robusten Stadträder ausleihen, die für den einfachen Transport mit einem integrierten Korb ausgestattet sind.

Wir lieben es auch, wenn es einen guten Grund gibt, nach draußen zu gehen und zu spielen. Ihr seid herzlich eingeladen, unseren Basketball oder unser Ping-Pong-Set für einen freundschaftlichen Wettkampf auszuleihen. Oder schnappt euch unseren mobilen Lautsprecher und ein paar Stühle, um es euch an einem sonnigen Plätzchen gemütlich zu machen. Wenn euch eher nach einem kuscheligen Abend ist, haben wir jede Menge Bücher zum Schmökern, einen Beamer für einen Kinoabend im Garten und sogar WLAN, falls ihr eine zuverlässige Verbindung benötigt.

Wir fügen unserer Sammlung ständig neue Dinge hinzu, um noch hilfreicher zu sein – haltet also Ausschau nach Neuzugängen! Um alles übersichtlich und leicht auffindbar zu halten, nutzen wir Pumpipumpe, um unser Inventar zu verwalten. Schaut dort gerne vorbei, um zu sehen, was gerade verfügbar ist, und meldet euch einfach, wenn ihr etwas ausleihen möchtet. Wir freuen uns darauf, euch in der Nachbarschaft zu sehen!

Ursprünge in den USA

Die früheste dokumentierte Werkzeug-Leihbibliothek in den Vereinigten Staaten geht auf das Jahr 1943 zurück, als die Öffentliche Bibliothek in Grosse Pointe, Michigan, ihre erste Werkzeugsammlung zum Verleih einrichtete. Der anfängliche Bestand von rund 25 Werkzeugen wurde vom Boys’ Work Committee des örtlichen Rotary Clubs gespendet, der die Gegenstände beitrug, um „die manuelle Geschicklichkeit der jüngeren Generation zu fördern“ (Brennan, 2021). Der Rotary Club übernahm die Verantwortung für Wartung und Reparatur des Bestands; die Grosse Pointe Library blieb die einzige bekannte Werkzeugbibliothek des Landes bis Mitte der 1970er Jahre (Brennan, 2021). Die zweite bekannte Werkzeug-Leihbibliothek der USA entstand 1976 in Columbus, Ohio, gegründet von der Stadtverwaltung, um Haus- und Wohnungseigentümer*innen kostenlos mit Werkzeug zu versorgen (Brennan, 2021).

Trotz dieser echten Vorläufer wurde in der populären Literatur lange die Berkeley Tool Lending Library (BTLL) in Kalifornien als Gründungsinstitution der Bewegung bezeichnet. Die BTLL entstand 1979 als Ableger der kommunalen öffentlichen Bibliothek, untergebracht zunächst in einem fahrbaren Anhänger, betrieben von einer einzigen Mitarbeiterin und bestückt mit 500 Werkzeugen zum Verleih (Brennan, 2021). Brennan (2021) stellt fest, dass ein Autor die BTLL für ihren angeblich „überproportionalen Einfluss auf die nationale und internationale Kultur“ lobte, obwohl neuere Archivforschung dieses Bild durch den älteren Grosse-Pointe-Vorläufer relativiert hat. In den späten 1970er Jahren gab es zwar einige Dutzend Werkzeug-Leihbibliotheken, doch viele schlossen aufgrund des Aufwands der manuellen Verwaltung, des aufkommenden Konsumkultur und der Verfügbarkeit billiger Importprodukte (Gunnels & Green, 2018).

Die deutsche Bewegung: Leihläden und Bibliotheken der Dinge

Der entscheidende Gründungsmoment in Deutschland kam in Berlin mit der Einrichtung von Leila (kurz für Leihladen), gegründet 2010 in der Kastanienallee im Bezirk Prenzlauer Berg (Leila Berlin, o. J.). Nikolai Wolfert formalisierte das Projekt bis 2012 und setzte die Idee der Sharing Economy in die Praxis um: Mitglieder bringen einen Gegenstand mit, leihen sich etwas aus, das sie benötigen, und geben es sauber und unbeschädigt zurück – jedes Objekt ist mit einer Leih-Nummer versehen und funktioniert damit wie eine Bibliothek (Wolfert, 2012, zitiert nach Ameli, 2020). Leila’s Grundsätze lauten: „Nutzen statt Besitzen und Horten“, „Wiederverwenden statt Wegwerfen“ und „Teilen statt sozialer Spaltung“; das Projekt wurde 2011, 2012 und 2013 mit dem Werkstatt-N-Label des Rates für Nachhaltige Entwicklung ausgezeichnet (Leila Berlin, o. J.).

Die Wissenschaftler Oliver Stengel und Najine Ameli haben argumentiert, dass die Verwandlung klassischer Bibliotheken in Bibliotheken der Dinge – in denen Schriftmedien weiterhin neben Alltagsgegenständen ausgeliehen werden – „die größte Revolution in der jahrtausendealten Geschichte der Bibliotheken darstellt“ (Stengel & Ameli, 2017). Von Berlin aus verbreitete sich die Bewegung auf fünfzehn Standorte in acht europäischen Ländern (Ameli, 2020). Weitere deutsche Städte wie Leipzig und Heidelberg entwickelten eigene Varianten, und auch öffentliche Bibliotheken übernahmen das Modell.

Wiederbelebung und globale Ausbreitung

Mitte der 2000er Jahre waren nur noch wenige der ursprünglichen amerikanischen Werkzeugbibliotheken in Betrieb. Zwei Entwicklungen führten um 2008–2009 zu einem Aufschwung: Die globale Finanzkrise traf Millionen von Menschen, und die sinkenden Kosten cloudbasierter Software erleichterten die Verwaltung solcher Einrichtungen erheblich (Gunnels & Green, 2018). Institutionen wie die Sacramento Library of Things in Kalifornien und die Chicago Tool Library in Illinois eröffneten in dieser Zeit als Teil der wachsenden „Werkzeug-Leih-Bewegung“ (Brennan, 2021). Zwischen 2013 und 2015 stieg die Zahl der Werkzeug-Leihbibliotheken in den USA von etwa 40 auf mehr als 60 (Brennan, 2021).

Bibliothek der Dinge: Die Erweiterung des Konzepts

Das Konzept der Bibliothek der Dinge weitete sich weit über Handwerkzeug hinaus aus und umfasst heute Küchengeräte, Gartenausrüstung und Saatgut, Elektronik, Spielzeug und Spiele, Kunstgegenstände, Wissenschaftskits, Bastelzubehör, Musikinstrumente und Sportausrüstung (Ewing & Sapon-White, 2016). Der Begriff „Library of Things“ wurde im Vereinigten Königreich durch ein Graswurzelprojekt in London 2014 popularisiert, das sich von der Toronto Tool Library inspirieren ließ; in den USA gelangte eine Bibliothekarin in Sacramento 2013 unabhängig zu einem ähnlichen Namen und Konzept (Ewing & Sapon-White, 2016). Najine Ameli (2020) argumentiert, dass das Teilen über solche Einrichtungen den Energie- und Ressourcenverbrauch einer Gesellschaft senken kann, ohne den materiellen Wohlstand zu gefährden, und dass Bibliotheken der Dinge zeigen, wie die Lücke zwischen der erklärten Bereitschaft zum Teilen und dem tatsächlichen Verhalten geschlossen werden kann. Forschungen zum deutschen Kontext zeigen, dass die wichtigsten Motive für eine Teilnahme Kostenersparnis, Bequemlichkeit und soziale Interaktion sind (Ameli, 2020).

Die parallelen Entwicklungen in Amerika und Deutschland offenbaren eine gemeinsame Logik: dass das traditionelle Bibliotheksmodell – kostenloser, gemeinschaftlicher Zugang zu Ressourcen – auf die materielle Welt ausgedehnt werden kann und sollte. Ob als Nachhaltigkeitsintervention, Antwort auf wirtschaftliche Unsicherheit oder schlicht als pragmatischer Gemeinschaftsdienst verstanden: Die Bibliothek der Dinge hat sich als eine der bedeutendsten institutionellen Innovationen des öffentlichen Bibliothekswesens der vergangenen fünfzig Jahre etabliert.

Illustration of neighbors sharing everyday items facilitated by the sharing website pumpipumpe.

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Literaturverzeichnis
Ameli, N. (2020). Die neue Share Economy: Bibliotheken der Dinge. Gemeinschaftliche Nutzungen für eine nachhaltige Stadtentwicklung. transcript Verlag.
Ameli, N. (2017). Libraries of Things as a new form of sharing: Pushing the sharing economy. The Design Journal, 20(sup1), 3294–3304.
Brennan, S. (2021). What’s mine is yours: The history of U.S. tool-lending libraries. School of Information Student Research Journal, 11(1). scholarworks.sjsu.edu/ischoolsrj/
Ewing, C. J., & Sapon-White, R. (Eds.). (2016). Audio recorders to zucchini seeds: Building a library of things. Libraries Unlimited.
Gunnels, C. B., & Green, S. E. (2018). Models of service in an age of acceleration. In J. M. Matarazzo & T. Pearlstein (Eds.), The Emerald handbook of modern information management (pp. 289–314). Emerald Publishing.
Leila Berlin. (n.d.). About Leila. Retrieved March 23, 2026, from leila-berlin.de
Stengel, O., & Ameli, N. (2017). Nutzen statt Besitzen in Leihläden lokal gestalten. In O. Stengel (Ed.), Digitalzeitalter – Digitalgesellschaft. Springer.