Anleitungen zur Baustoffherstellung

Innenraumfarbe
Schutzschichten für die Farbe
Wärmedämmung (in Arbeit)

Innenraumfarbe aus Topfen und Champagnerkreide

Eine ökologische, atmungsaktive und günstige Topfen-Schlämmkreide-Farbe für innen besteht im Wesentlichen aus Magerquark (Topfen), Schlämmkreide und Wasser. Der Topfen dient hierbei durch das enthaltene Kasein als natürliches Bindemittel, während die Schlämmkreide für die weiße Deckkraft sorgt.

Für ca. 10 Liter fertige Wandfarbe (reicht für etwa 40 bis 50 m² bei einfachem Anstrich) benötigen wir:

  • 1 kg Topfen: Der Topfen muss absolut fettarm sein, damit die Farbe später nicht ranzig wird oder schimmelt. Es kommt also nur Topfen der Magerstufe mit unter 10 % Fett in der Trockenmasse in Frage.
  • 3 bis 4 kg Champagnerkreide: Auch bekannt als Calciumcarbonat oder Schlämmkreide. Sie sorgt für die matte, weiße Optik. Zudem: Bis zu 1 kg China Clay oder Kaolin.
  • Ca. 3 bis 5 Liter Wasser: Zum Verdünnen und Einsumpfen.
  • Erd- oder Mineralpigmente: Kalkechte alkalibeständige Pigmente sind chemisch stabil gegen hohe pH-Werte. Wenn ein Pigment nicht kalkecht ist, zerstört die Lauge in der Farbe die Farbstruktur. Organische Pigmente und Pflanzenfarben sind daher ungeeignet. Bestimmte chemisch hergestellte Pigmente wie Preußischblau (Berliner Blau) oder Chromgelb sind empfindlich gegenüber Laugen und schlagen ins Bräunliche um. Geeignet sind fast alle anorganischen Pigmente (Mineralpigmente, Erdpigmente, Eisenoxide, Ultramarinblau). Sie sind absolut lichtecht, ungiftig und langlebig.
  • Borax oder Sumpfkalk: Etwa 20-30 Gramm Borax oder ein Esslöffel Sumpfkalk helfen, das Kasein im Topfen vollständig aufzuschließen und machen die Farbe haltbarer sowie wischfester.

Anleitung

  • Topfen aufschließen (Kaseinleim herstellen): Gib den Topfen in einen großen Eimer. Falls du Sumpfkalk oder Borax nutzt, rühre dieses Pulver in etwas warmem Wasser an und mischen es unter den Topfen. Lasse diese Mischung etwa 30 bis 60 Minuten ruhen. Der Topfen verflüssigt sich dabei und verliert seinen typischen Geruch – der klebrige Kaseinleim ist fertig.
  • Kreide einsumpfen: Gib in einem separaten Eimer die Schlämmkreide in ca. 3 Liter Wasser. Rühre gut um, bis eine klumpenfreie, milchige Masse entsteht. Lasse die Kreide am besten ebenfalls 30 Minuten “einsumpfen”.
  • Zusammenfügen und mischen: Gieße die flüssige Kreidemischung langsam und unter ständigem Rühren in den aufgeschlossenen Topfen-Leim. Nutze dafür am besten einen Bohrmaschinen-Rührer.
  • Konsistenz anpassen: Füge bei Bedarf noch etwas Wasser hinzu. Die Farbe sollte die Konsistenz von klassischer Wandfarbe oder dickerer Sahne haben.
  • Abtönen: Pigmente dürfen nie trocken in die Farbe geschüttet werden. Teige die Pigmente vorher mit etwas Wasser zu einem dicken Brei an und rühre diesen Brei erst dann klumpenfrei unter die fertige Topfen-Kreide-Farbe.

Die Farbe sieht im nassen Zustand leicht grau oder transparent aus. Erst beim vollständigen Trocknen entfaltet sie ihre hochdeckende, matte, schneeweiße Kreideoptik.

Da es sich um ein reines Naturprodukt ohne chemische Konservierungsstoffe handelt, müssen wir die Farbe frisch ansetzen und innerhalb von 24 bis 48 Stunden verarbeiten.

Schutzschichten

Marseiller Seifenfeuchte

  • 20 bis 30 Gramm reine Marseiller Seife oder Olivenöl-Kernseife (ohne Parfüm, ohne Farbstoffe und ohne Glycerin-Zusatz).
  • 1 Liter Wasser.

Anleitung

  • Seife raspeln: Reibe die Seife mit einer Küchenreibe zu feinen Flocken.
  • Aufkochen: Bring den Liter Wasser in einem Topf zum Kochen.
  • Auflösen: Gib die Seifenflocken in das kochende Wasser. Schalte die Hitze runter und rühre so lange, bis sich alle Flocken komplett aufgelöst haben und eine klare, leicht seifige Flüssigkeit entsteht.
  • Abkühlen lassen: Lass die Mischung abkühlen. Sie wird im kalten Zustand leicht gelartig.

Verarbeitung

  • Warte, bis deine Topfen-Farbe mindestens 3 Tage komplett durchgetrocknet ist.
  • Trage die abgekühlte Seifenlauge mit einem breiten, weichen Pinsel (Quast) zügig und dünn auf die Wand auf.
  • Nicht zu fest aufdrücken oder wild hin- und herstreichen, damit du die Kreidefarbe nicht wieder anlöst. Einmal dünn drüberstreichen reicht. Die Wand bleibt danach matt.

Bienenwachs-Soda-Emulsion

Dieses Rezept macht die Oberfläche noch ein Stück robuster gegen Schmutz und gibt ihr einen Seidenglanz. Durch das Soda wird das Wachs wasserlöslich und lässt sich ohne Lösemittel verarbeiten.

  • 100 Gramm reines Bienenwachs (am besten gelbe Bienenwachs-Pastillen, die schmelzen schneller).
  • 10 Gramm Reine Soda.
  • 500 ml Wasser.

Anleitung

  • Wachs schmelzen: Gib das Bienenwachs in einen kleinen Topf und schmelze es langsam in einem heißen Wasserbad.
  • Sodawasser kochen: Koche in einem separaten Topf die 500 ml Wasser auf und rühre die 10 Gramm Soda hinein, bis sich das Pulver komplett aufgelöst hat.
  • Zusammenfügen (schäumt!): Gieße das kochend heiße Sodawasser ganz langsam und in einem dünnen Strahl in das geschmolzene, heiße Wachs. Rühre dabei ununterbrochen mit einem Schneebesen. Die Mischung fängt sofort an heftig aufzuschäumen – das ist die chemische Verseifung, die das Wachs flüssig macht.
  • Kalt rühren: Nimm den Topf von der Hitze und rühre die Masse so lange weiter, bis sie abkühlt und eine cremige, milchig-weiße Emulsion entsteht.

Verarbeitung

  • Auch hier muss die Wand absolut trocken sein (mindestens 3 Tage Wartezeit).
  • Trage die abgekühlte Wachs-Creme mit einem weichen, sauberen Schwamm oder einem weichen Tuch hauchdünn und mit kreisenden Bewegungen auf die Wand auf.
  • Der Glanz-Effekt: Nach dem Trocknen (dauert ein paar Stunden) kannst du die Fläche mit einem trockenen, fusselfreien Baumwolltuch leicht polieren. Dadurch verdichtet sich das Wachs und fängt matt an zu glänzen.

Egal ob Seife oder Bienenwachs – beide Schichten machen die Wand wischfest, aber nicht schrubbfest. Geh bei Flecken immer so schonend wie möglich vor:

Staub und loser Schmutz: Nimm einen trockenen, weichen Staubwedel (am besten Straußenfedern oder ein sanftes Mikrofasertuch) oder sauge die Wand vorsichtig mit einem weichen Bürstenaufsatz ab.
Leichte Flecken (z.B. Spritzer oder Fingertapser): Tupfe den Fleck vorsichtig mit einem leicht feuchten (nicht nassen!) Schwamm ab. Benutze dafür lauwarmes Wasser ohne Spülmittel. Reibe nicht wild hin und her, sonst nimmst du die Schutzschicht und die Kreidefarbe darunter ab.
Hartnäckiger Schmutz: Wenn Wasser allein nicht reicht, nimm ein ganz kleines bisschen Marseiller Seifenlauge auf den Schwamm. Sie reinigt nicht nur, sondern repariert an dieser Stelle auch direkt wieder den Schutz.

Was du unbedingt vermeiden musst

  • Keine aggressiven Reiniger: Badreiniger, Scheuermilch, Fettlöser oder alkoholhaltige Putzmittel zerstören die Seifen- oder Wachsschicht sofort und hinterlassen hässliche, matte Flecken.
  • Keine rauen Schwämme: Die grüne oder blaue Seite von Küchenschwämmen kratzt die weiche Kreide- und Wachsoberfläche sofort auf. Benutze nur die gelbe, weiche Seite oder ein weiches Tuch.

Auffrischen: so pflegst du die Wand langfristig

Da es sich um reine Naturprodukte handelt, nutzt sich der Schutz durch Abwischen oder UV-Strahlung mit den Jahren minimal ab. Das Geniale an diesen alten Rezepten ist aber: Du kannst sie jederzeit kinderleicht reparieren, ohne die alte Farbe abschleifen zu müssen.

  • Bei der Seifenwand: Wenn du merkst, dass die Wand nach ein paar Jahren an stark beanspruchten Stellen (z. B. neben dem Lichtschalter) stumpf oder schmutzanfällig wird, kochst du einfach wieder etwas Seifenlauge auf. Streich die Stelle dünn über – fertig.
  • Bei der Bienenwachswand: Wenn der edle Seidenglanz nachlässt, reicht es oft schon, die Wand mit einem trockenen Baumwolltuch noch einmal kurz nachzupolieren. Verschwindet der Glanz dauerhaft, trägst du einfach eine neue, hauchdünne Schicht deiner Bienenwachs-Emulsion mit dem Schwamm auf.